Der Effekt von bewegten Bildern: Warum wir nicht einfach wegschauen können

In diesem Artikel werden wir den Effekt von bewegten Bildern auf Menschen im Kontext von Digital Signage genauer untersuchen und uns die Frage stellen, warum Menschen bei bewegten Bildern nicht einfach wegschauen können.
Veröffentlicht am 25. Oktober 2023

Die Welt um uns herum ist voll von visuellen Reizen. In der heutigen digitalen Ära werden wir ständig mit bewegten Bildern konfrontiert, sei es auf unseren Smartphones, Tablets, Fernsehern oder in öffentlichen. Dies hat einen tiefgreifenden Einfluss auf unsere Aufmerksamkeit und unser Verhalten. In diesem Artikel werden wir den Effekt von bewegten Bildern auf Menschen im Kontext von Digital Signage genauer untersuchen und uns die Frage stellen, warum Menschen nicht einfach wegschauen können.

Die Faszination bewegter Bilder

Menschen sind von Natur aus visuelle Wesen. Schon in der Frühgeschichte der Menschheit waren Höhlenmalereien und Zeichnungen ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation. Heute hat sich die Art und Weise, wie wir Informationen aufnehmen, drastisch verändert, und bewegte Bilder spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Bewegte Bilder haben die Fähigkeit, unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und uns in ihren Bann zu ziehen. Dies liegt daran, dass unser Gehirn auf visuelle Reize besonders empfindlich reagiert. Laut einer Studie von L. Weingarten und E. D. Voss aus dem Jahr 2015 werden visuelle Informationen im Gehirn 60.000 Mal schneller verarbeitet als Textinformationen. Dieser schnelle Verarbeitungsprozess erklärt, warum bewegte Bilder so faszinierend sind und warum sie unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Das Phänomen der Bewegung

Ein weiterer wichtiger Aspekt von bewegten Bildern ist die Bewegung selbst. Bewegung in Bildern erzeugt eine dynamische und immersive Erfahrung, die Menschen dazu verleitet, länger hinzusehen und sich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen. Dieser Effekt wurde in einer Studie von S. L. Franconeri und Kollegen aus dem Jahr 2013 nachgewiesen. Die Forscher fanden heraus, dass Menschen dazu neigen, bewegte Objekte in einem Bild länger anzustarren als statische Objekte.

In Bezug auf Digital Signage bedeutet dies, dass bewegte Bilder in Werbedisplays oder Informationsbildschirmen die Fähigkeit haben, Passanten in ihren Bann zu ziehen und ihre Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was auf dem Bildschirm gezeigt wird. Dies kann von entscheidender Bedeutung sein, wenn es darum geht, Informationen zu vermitteln oder Produkte und Dienstleistungen zu bewerben.

Die Psychologie der Aufmerksamkeit

Um zu verstehen, warum Menschen nicht einfach wegschauen können, wenn sie bewegte Bilder sehen, müssen wir uns mit der Psychologie der Aufmerksamkeit befassen. Unsere Aufmerksamkeit ist begrenzt und wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, darunter die Relevanz eines Reizes, die Emotionalität des Reizes und die Intensität der Stimulation.

Bewegte Bilder haben die Fähigkeit, all diese Faktoren zu beeinflussen. Zum einen sind sie oft in der Lage, relevante Informationen oder Botschaften auf eine ansprechende Weise zu präsentieren. Zum anderen können bewegte Bilder Emotionen effektiv vermitteln, sei es durch dramatische Musik, fesselnde Geschichten oder bewegende Bilder. Schließlich erzeugen bewegte Bilder eine hohe sensorische Stimulation, da sie visuelle und manchmal auditive Reize kombinieren.

In einer Studie von D. I. Donaldson und J. R. P. Ogilvie aus dem Jahr 2017 wurde gezeigt, dass bewegte Bilder die Fähigkeit haben, die Aufmerksamkeit von Menschen auch dann zu fesseln, wenn diese versuchen, ihre Aufmerksamkeit auf andere Aufgaben zu richten. Dieses Phänomen wird als „Inattentional Blindness“ bezeichnet und tritt auf, wenn Menschen aufgrund der Ablenkung durch bewegte Bilder wichtige Informationen oder Reize in ihrer Umgebung übersehen.

Die Rolle des Dopamins

Ein weiterer interessanter Aspekt des Effekts von bewegten Bildern auf Menschen ist die Freisetzung von Dopamin. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der mit Belohnung und Vergnügen in Verbindung steht. Wenn wir etwas sehen, das uns gefällt oder fasziniert, wie beispielsweise ein beeindruckendes Video oder eine emotionale Szene in einem Film, wird Dopamin im Gehirn freigesetzt.

Diese Freisetzung von Dopamin verstärkt unser Interesse an dem, was wir sehen, und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns weiterhin auf den visuellen Reiz konzentrieren. Diese Belohnungsschleife kann dazu führen, dass Menschen noch länger auf bewegte Bilder starren, selbst wenn sie eigentlich andere Dinge zu erledigen haben.

Die Herausforderung für Digital Signage

Im Kontext von Digital Signage ergeben sich aus diesen Erkenntnissen einige wichtige Herausforderungen und Chancen. Einerseits bietet die Fähigkeit von bewegten Bildern, die Aufmerksamkeit der Betrachter zu fesseln, eine hervorragende Möglichkeit, Botschaften effektiv zu kommunizieren und Produkte zu bewerben. Andererseits besteht die Gefahr, dass Menschen übermäßig abgelenkt werden und dadurch andere wichtige Informationen in ihrer Umgebung übersehen.

Es ist daher entscheidend, dass Unternehmen und Organisationen, die Digital Signage einsetzen, die Prinzipien der Aufmerksamkeitspsychologie verstehen und in ihre Gestaltung und Inhalte integrieren. Dies kann bedeuten, visuelle Reize bewusst einzusetzen, um die Aufmerksamkeit zu lenken, aber auch sicherzustellen, dass die Botschaften klar und verständlich sind, um die gewünschten Informationen effektiv zu vermitteln.

Die Ethik von Digital Signage

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den es zu berücksichtigen gilt, ist die Ethik von Digital Signage. Wenn bewegte Bilder die Fähigkeit haben, die Aufmerksamkeit der Menschen zu fesseln und Dopamin freizusetzen, müssen wir uns fragen, wie diese Macht verantwortungsbewusst eingesetzt werden kann. Zum Beispiel kann übermäßige Ablenkung durch Digital Signage in Verkehrsbereichen zu Unfällen führen, wenn Fahrer ihre Aufmerksamkeit nicht mehr auf die Straße richten.

Es ist daher wichtig, Richtlinien und Regulierungen für die Verwendung von Digital Signage zu entwickeln, die die Sicherheit und das Wohlbefinden der Menschen gewährleisten. Dies kann bedeuten, die Platzierung von Bildschirmen in bestimmten Bereichen einzuschränken oder die Art und Weise, wie bewegte Bilder verwendet werden, zu regulieren.

Fazit

Bewegte Bilder haben eine starke Wirkung auf die menschliche Aufmerksamkeit und Psyche. Im Kontext von Digital Signage können sie genutzt werden, um Informationen und Botschaften effektiv zu kommunizieren und Produkte zu bewerben. Gleichzeitig müssen Unternehmen und Organisationen jedoch verantwortungsbewusst mit dieser Macht umgehen und sicherstellen, dass die ethischen und sicherheitstechnischen Aspekte berücksichtigt werden.

Die Forschung im Bereich der Aufmerksamkeitspsychologie und der Wirkung von bewegten Bildern auf Menschen wird weiterhin an Bedeutung gewinnen, da die Digitalisierung unserer Umgebung voranschreitet. Es ist entscheidend, dass wir diese Erkenntnisse nutzen, um die Gestaltung von Digital Signage zu verbessern und sicherzustellen, dass sie sowohl informativ als auch verantwortungsbewusst ist.

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